Winkle-Picker

Was ist das eigentlich, ein „Winkle-Picker“!?? Und welche Fischarten werden mit diesem Rutentyp gefangen? Ist doch ganz klar, werden jetzt wohl viele von Euch sagen, das ist eine Rute, mit der wir auf Grund fischen, entweder mit einem Laufblei oder mit einem Futterkorb. Auf die Schuppen legen wir mit ihm Brassen und Rotaugen und auch schon mal einen Karpfen, wenn er Interesse für unsere Köder gezeigt und angebissen hat, wir haben ja eine gute Rolle mit starker Schnur an unserer Rute...

Stop! An diesem Punkt werde ich jetzt erst einmal einhaken. Denn mit einem echten „Winkle-Picker“ Karpfen fangen, nun, mit einem K3 mag das ja noch klappen, aber alles andere? Da möchte ich denn dann doch lieber ein ganz großes Fragezeichen hinter setzen. Ein echter Winkle-Picker wäre nämlich für diese Aufgabe ganz und gar ungeeignet.

Ursprünglich kam diese filigrane  Form der Grundangelei wie so vieles aus dem Mutterland der feinen Friedfischangelei, aus England. Verfeinert und perfektioniert wurde sie dann Mitte der 80iger Jahre in den Niederlanden. Dort wurden neben dem Zubehör gerade die Ruten bis zur Perfektion ausgereift. Verwendung fanden und finden Rutenblanks von 6‘ bis 9‘ Länge, also von 180 bis 270 cm. Diese Blanks weisen allesamt ein durchweg parabolische Aktion auf, von der Spitze bis ins Handteil. Spezialisten für diese Angelei bauen sich ihre Ruten zumeist selbst und nehmen dafür Blanks, die ursprünglich an und für sich für den Bau von Fliegenruten bestimmt waren. Als Bißanzeiger kommen meistens feine Vollkohlefaserspitzen zum Einsatz, die die Spezialisten in unterschiedlichen Stärken in ihrem Sortiment zum auswechseln bereit halten. An solch eine feine Rute gehört denn dann auch eine ultraleichte Stationärrolle, auf die eine monofiele Schnur mit selten mehr als 0,16 mm Durchmesser gespulte wird. Die Experten gehen wintertags beim Rotaugenfischen in den Kanälen und Grachten bis auf Stärke 0,10 mm herunter...

Das Rotauge ist im übrigen auch der Hauptbeutefisch für diese Rute. Aber auch mit Brassen in dem normalen „Standard-Gardemaß“ wird der Winkle-Picker noch allemal fertig, auch wenn er sich bei ihm im Drill schon gewaltig verneigen muß. Es ist halt durch und durch ein Rutentyp für die ganz feine Angelei, was im übrigen auch bei dem weiteren Zubehör für diese Fischerei noch deutlicher wird. Die Grundbleie, die hierbei zum Einsatz kommen, haben zum Teil Kalibrierungseinheiten von weniger als 0,5 g. Die kleinsten wiegen oft nur 1 bis 2 g und die größten selten mehr als 15 bis 20 g. Auch bei den Formen ist man hier neue Wege gegangen. Damit die kleinen Bleigewichte besser liegen bleiben, setzte sich neben dem klassischen Tropfenblei das flache „Pfennig-Blei“ durch. Daß diese Bleiform nicht gerade die besten Wurfeigenschaften hat, ist nicht so wichtig, da selten weiter als auf 15 bis 20 m mit dem Winkle-Picker gefischt wird.

Neben dem Blei als Wurfgewicht wird auch oft und gerne mit dem Futterkorb an dem Winkle-Picker gefischt. Allerdings sollte ich hier besser schreiben „Futterkörbchen“, denn das, was da zum Einsatz kommt, ist meistens nicht viel mehr als ein besserer Fingerhut. Diese kleinen Körbchen fügen sich aber auch bedeutend besser in so eine filigrane Gerätezusammenstellung ein als die sonst für die Feederfischerei üblichen großen Körbe. Bei den Endmontagen gibt es dann aber im Verglich mit denen an der Feederrute gefischten keine so großen Unterschiede mehr. Im Prinzip kommen hier genau die gleichen Systeme zum Einsatz.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der Winkle-Picker eine Feederrute in der „Very-Light-Version“ ist. Alles ist ein wenig kleiner und feiner, von der Rute über die Rolle bis hin zu dem Zubehör. Gefischt wird auf nicht so großen Abstand und auf nicht ganz so große Fische – es ist vielmehr eine Angelei für Liebhaber der ganz feinen Art!

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