Strandfeedern

Es ist Juli! Hochsommer! Schon die ganze letzte Woche brachte die Sonne das Thermometer jeden Tag auf über 30 Grad! Herz was willst Du mehr!?

Ich glaube, ich werde auch heute mal wieder zum Baggersee gehen, mit Regenzeug und Angelgerät! Ja, Ihr habt richtig gelesen, mit Regenzeug, denn gestern Nachmittag hat nach einem abkühlenden Gewitter ein milder und warmer Sommerregen eingesetzt, der laut Wetterbericht noch bis morgen früh anhalten soll. Mit anderen Worten, ideale Bedingungen zum Fischen und ich habe den Strand von unserem Baggersee ganz für mich alleine.

Wieso ich den Strand wähle? Nun, er ist gerade im Sommer ein natürlicher Fressplatz, der von allen Fischarten regelmäßig aufgesucht wird. Fressplatz deshalb, weil von den Badegästen der Grund  gründlich aufgewühlt wird und somit der Tisch für unsere geschuppten Freunde immer wieder aufs neue reichlich gedeckt ist. 

Fischen werde ich hier heute mit einer leichten Feederrute, denn selbst in gut 30 m Abstand vom  Ufer habe ich in unserem Baggersee nur eine Wassertiefe von gut 100 bis 120 cm. Um Tiefen von mehr als 2 m zu bekommen muß man hier schon gut an die 60 m mit seinem Gerät werfen können. Da ich aber nicht gerne so schwer fische, ziehe ich es vor, mit einer Wathose den Fischen gut 25 m entgegen zu gehen.

Die nötigen Vorbereitungen für mein Fischen sind schnell abgeschlossen: Die Feederrute ist schnell mit einer großen Rolle bestückt. Futter, Köder sowie die notwendigen Kleinteile werden in einer speziellen Gerätebox auf 1 m langen Plateaufüßen an meinem Angelplatz positioniert. Zwei stabile Rutenständer mit großen Auflagen und ein geräumiges Netz sowie eine gute Regenjacke vervollständigen die Ausrüstung.

Nach dem ich mein Gerät im Wasser aufgebaut habe, ziehe ich noch die Schnur durch die Ringe meiner Tri-Cast Trophy 10‘6‘. Ich verwende heute eine 12er Fireline. Die geflochtene Schnur ermöglicht es mir, auch noch auf eine Entfernung von 35 m sehr sensibel zu fischen, jeder noch so zaghafte Zupfer wird von ihr unmittelbar auf die feine Glasspitze meiner Feederrute übertragen. Weiterhin bietet mir die geflochtene Schnur den großen Vorteil, daß ich nicht mehr im eigentlichen Sinne einen Biß anschlagen muß. Durch den direkten Fischkontakt reicht es bei dieser Angelentfernung völlig aus, die Feederrute einfach von Auflage weg zu heben.

Da ich weiß, daß ich heute im Laufe des Tages wohl mit dem einem oder anderem großen Brassen zu tun haben werde, und diese auch fangen will, schalte ich vor der Fireline noch eine gut 12 m lange Schlagschnur aus 22er Maxima. Diese Schlagschnur erfüllt für mich mehrere Zwecke. So ist sie zum einem dazu gedacht, die enormen Kräfte abzufangen, die beim Auswerfen größere Futterkörbe zwangsläufig entstehen und zum anderem dient sie mir als Puffer zum abfedern der Schläge der großen Brassen. Wenn ich einen großen Brassen bis vor meinen Kescher heran gedrillt habe, würde ohne Verwendung der dehnbaren Schlagschnur ein einziges Wälzen des Fisches an der kurzen Schnur genügen, um meinen Haken aus seinem Maul ausschlitzen zu lassen. Und zu guter Letzt ist es auch noch günstiger, die Montagen aus der preiswerteren monofilen Schnur zu knüpfen und bei entsprechenden Verschleißerscheinungen nur diese auszutauschen.

Die Montage halte ich heute sehr einfach und unkompliziert: ca. 50 cm vor dem Ende der Schlagschnur verzwierble ich einen gut 20 cm langen Seitenarm, in den ich zuvor noch einen einfachen Karabienerwirbel eingefädelt habe. Dieser Wirbel wird später meinen Futterkorb aufnehmen und ermöglicht es mir, ohne große Umstände den Futterkorbtyp den Verhältnissen und dem Beißverhalten der Fische anzupassen. Auf das überstehende Ende der Schlagschnur fädle ich jetzt noch ein 2 cm langes Stück Posengummi und schließe das Schnurende mit einer kleinen Schlaufe ab, in die ich nun mein Vorfach einschlaufe. Über diese Verbindung schiebe ich nun das Posengummi, so kann sich an den kurzen überstehenden Schnurenden nichts verhaken.

Nachdem ich meine Rute montiert habe und auch die übrigen Gerätschaften positioniert sind, brauche ich nur noch mein Futter anzurühren. Da ich mich heute doch recht spontan zu diesem Angeltrip entschlossen habe, hatte ich leider keine Zeit mehr, selber  mein Feederfutter zu mischen. Aber genau für diese Momente habe ich stets einige Tüten Z&K „Feeder“ in Petto. Dieses Fertigfutter ist für meine Zwecke geradezu wie geschaffen. Es besitzt neben einem wirklich phantastischen Geschmack auch die Bindeeigenschaften, wie ich sie mir für ein Stillwasser-Feederfutter wünsche.

Für drei bis vier Stunden Fischen mache ich erst einmal nur eine Tüte Futter an. Ich füge dem Futter keine weiteren Zusatzstoffe bei, da ich glaube, daß das Futter so für sich schon für unsere Fische attraktiv genug ist. Aber gerade hier bietet sich für den ambitionierten Angler auch ein breites Experimentierfeld. Das Futter gebe ich in eine flache Schüssel und feuchte es nur ganz leicht an, so daß ich eine sehr trockene Mischung bekomme, die sich schon nach kurzer Zeit aus dem Feeder herausgearbeitet hat. Vor dem Gebrauch drücke ich das Futter noch einmal durch ein Futtersieb, damit sich auch die letzten Klümpchen lösen und ich eine wirklich durch und durch gleichmäßige Mischung erhalte.

Beginnen werde ich bei diesem doch recht flachen Wasser heute mit einem einfachen grobmaschigen Drahtkorb, an dem ich gerade soviel Blei als Wurfgewicht befestige, daß ich soeben den Futterplatz erreichen kann. Den grobmaschigen Feeder wähle ich deshalb, weil aus ihm schon beim Absinken einzelne Futterpartikel herausbrechen, die ein Futterwolke bilden, die neugierige Fische in der näheren Umgebung auf unseren Futterplatz aufmerksam machen soll. Zu Beginn des Fischens lasse ich meine Montage auch nicht länger als 3 Minuten liegen, da das Futter nicht mehr Zeit benötigt, um sich aus dem Feeder zu lösen. Durch diese kurzen Intervalle beim einwerfen erreiche ich auch, daß sich auf meinem Futterplatz eine konstante Futtersäule im Wasser befindet.

Nach einer guten ¾ Stunde wechsle ich dann aber, unabhängig davon, ob sich mittlerweile die ersten Bisse eingestellt haben oder nicht, den Drahtfeeder gegen einen geschlossenen Plastikkorb aus. Mit diesem Modell beginne ich nun, vermehrt Kostproben von meinem Hakenköder an den Futterplatz zu befördern. Dies geschieht in der Weise, daß ich den Feeder in das Futter stelle und von oben die Maden, Caster, Würmer oder aber auch Dosenmais einfülle, aber nicht bis zum Rand, da der Korb ja noch mit Futter verschlossen werden muß. Wie fest ich das Futter in den Feeder drücke richtet sich danach, ob es „lebt“ oder nicht.

Nach dem Einwerfen lasse ich den Korb erst einmal liegen und bringe die Schnur langsam auf Spannung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Rute bereits auf der Rutenablage, halte sie aber noch in der Hand, um jederzeit beim spannen der Schnur auf einen Biss reagieren zu können, denn nur zu gerne nehmen nicht nur Rotaugen, sondern auch Brassen den Köder schon in der Absinkphase. Ist die Schnur zwischen Futterkorb und Rutenspitze dann gespannt, kommt der letzte und wohl wichtigste Trick zum Einsatz: ich ziehe den Futterkorb um gut eine halbe Vorfachlänge zu mir hin. Auf diese Art und Weise liegt mein Hakenköder praktisch genau neben den Kostproben und dem Futter aus dem Futterkorb. Aber viel wichtiger ist, daß ich so sicherstelle, daß sich kein Futter mehr in dem Feeder befindet und bei einem Biss einen reibungslosen Anschlag behindern könnte.

Wer jetzt allerdings der Meinung ist, daß nun der gemütliche Teil beginnt, den muß ich leider enttäuschen, denn diese Art des Feederfischen ist für mich alles andere als stationäres Fischen. Auch jetzt lasse ich den Korb nicht länger als 5 bis 6 Minuten liegen. Hat sich in dieser Zeit nichts getan, ziehe ich die Montage im Zeitlupentempo wieder einige Zentimeter über den Futterplatz, stets bereit zu einem schnellen Anschlag, denn nur zu oft erfolgen gerade beim Zupfen oder kurz nach dem Innehalten ein Biss. Aus diesem Grunde warte ich mit dem Ablegen der Rute auch stets einige Sekunden und halte sie liebe anschlagbereit in der Hand.

Auch heute dauert es nicht allzu lange, bis sich die ersten Fische für meinen Futterplatz zu interessieren beginnen. Noch bevor ich zu dem geschlossenen Plastikfeeder wechsele, habe ich den ersten Biß, den ich wie leider fast immer prompt verschlage. Gewarnt durch diesen schnellen Biß bin ich nach dem neuerlichen einwerfen voll konzentriert und kann den folgenden, wieder sehr vehementen Biß ohne Probleme anschlagen. Nach kurzer,  tapferer Gegenwehr gibt sich ein schönes Rotauge geschlagen und läßt sich ohne Probleme landen. Auch mit den ersten Brassen dauert es nicht sehr lange und nach 5 Stunden bin ich mit mir und diesem Angeltag rundum zufrieden, nicht nur, daß ich gute Beute gemacht habe, nein, auch Petrus hat mit mir und meinen regennassen Angelsachen ein Nachsehen und läßt am Abend noch die Sonne scheinen!  

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