Mit Matchrute und Driftbeater

Ich möchte Euch heute diese Variante des Fischens mit der Matchrute in Erinnerung rufen, von der ich nicht einmal genau weiß, wer und wann sie zu ersten Mal erwähnte. Das einzige, was ich sagen kann ist, daß sie wie so viele Techniken für das feine Friedfischangeln mit der Rollenrute aus dem Mutterland der Matchrute stammt, aus England.

Die Driftbeater-Fischerei hat sich bei uns an und für sich nie so recht durchgesetzt, obwohl sie unter den entsprechenden Voraussetzungen doch sehr fängig ist. Diese Vernachlässigung ist meiner Meinung nach wohl hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben, daß in den Tagen der Wettfischen bei uns die Pose noch immer das Blei tragen mußte. Und ein wesentliches Merkmal der Driftbeater-Angelei ist nun einmal die Überbleiung des Wagglers. Und heute fischen wohl die meisten Angler lieber mit dem Winkle-Picker an den Gewässern und Tagen, an denen man auch, oder vielleicht gerade, mit dem Driftbeater fischen kann:

Zum Einsatz kommt der Driftbeater in stehenden Gewässern mit nach Möglichkeit sauberen Kies- oder Sandgrund an Tagen mit nur schwachem bis mäßigen Wind. Die Grenzen, die uns der Wind und damit auch die Unterströmung setzen, können wir noch ein wenig mit den Wagglern, die wir fischen, beeinflussen, aber halt nur ein wenig. Aber sind sie erreicht, könne wir immer noch in unser Futteral packen und mit der leichten Feederrute weiter fischen...

Aber heute ist einer dieser Tage, an denen die Match mit dem Driftbeater unsere erste Wahl sein soll. Noch im Morgengrauen haben wir schon unsere Geräte an das Wasser „geschleppt“. Was wird auf alle Fälle gebraucht? Da wäre zum ersten neben einer guten Matchrute mit 13‘ oder 14‘ Fuß Länge eine mittlere Stationärrolle mit einer möglichst hohen Übersetzung, die wir mit einer 16er bis 18er entfetteten Qualitätsschnur gefüllt haben. Auch in tieferen Gewässern nehme ich keine längere Rute, da ich sie fürs wagglen einfach zu unhandlich finde und meistens doch den Driftbeater als Laufpose montiere. Damit kommen wir zu den eigentlichen Hauptdarstellern des Tages, den Wagglern, den Driftbeatern. Ich fische sowohl vorgebleite Modelle als auch die klassischen Driftbeater-Varianten, je nach den gerade vorherrschenden Umständen am Wasser. Dabei richtet sich meine Wahl im wesentlichen nach dem Wind. Grob kann man es wohl so einteilen: Je ruhiger das Wasser ist, desto höher darf die Vorbebleiung ausfallen, da ich so am sensibelsten fischen kann. Ein Merkmal sollte aber jeder Driftbeater besitzen, einen Körper mit einer langen Antenne. Die lange Antenne mit dem tief liegenden Posenkörper ermöglicht es uns, die Schnur komplett zu versenken und sie so dem Einfluß des Windes zu entziehen.

Da der Wetterbericht für heute nur schwachen Wind vorausgesagt hat, entscheide ich mich für ein vorgebleites Modell mit 12+1 g, d.h. mein Waggler ist mit 12 g vorgebleit und trägt zusätzlich noch 1 g Blei. Bevor ich den Waggler montiere fädle ich noch einen Fadenschnurstopper und eine kleine Schnurperle auf meine Schnur. Danach fehlt nur noch das Ankerblei, daß ich um 2 g schwerer wähle als die tatsächliche Tragkraft, in unserem Fall ist es also ein Tropfenblei von 3 g . Dieses Blei stoppe ich an der Vorfachschlaufe mit einem gewöhnlichen Gummistopper. Zwischen dem Tropfenblei und dem Waggler werden nach dem Kontermutterprinzip noch zwei Bleischrote No.4 befestigt. Diese Bleie fungieren als Abstandshalter zwischen Vorfach und Waggler. Die Vorfachlänge plus 15 cm reicht für gewöhnlich aus, um Verwicklungen des Vorfachs mit der Pose vorzubeugen.

Nachdem wir unser Gerät montiert haben, müssen wir noch die Tiefe einstellen. Dazu schieben wir den Fadenstopper erst einmal auf die geschätzte Wassertiefe, werfen die Montage aus und warten was passiert. Bekommen wir den Driftbeater erst gar nicht zu sehen, sieben wir den Stopper so lange weiter nach oben, bis die Pose stehen bleibt. Nun legen wir die Matchrute auf einen stabilen Rutenständer ab und spannen ganz langsam die Schnur, bis nur noch gut 1 cm von der Wagglerantenne zu sehen ist. Liegt die Montage an der gewünschten Stelle, bringen wir einen weiteren Fadenstopper als Entfernungsmarkierung auf der Schnur an.

Jetzt ist es an der Zeit zu füttern, dabei dient unser Driftbeater als Markierungspunkt, auch bei späterem Nachfüttern. Und dann kann es losgehen. Nach dem Füttern holen wir unsere Montage ein, bringen ein Vorfach an und merken uns noch eben, während wir das Ankerblei am Ende es Rutengriffs  festhalten, wo der Fadenstopper sich befindet. Denn die Tiefeneinstellung kann sich schon mal bei den hoffentlich häufigen Anschlägen verstellen. Den Hacken der Größe 14 beködere ich fürs erste mit drei Maden und überwerfe meinen Angelplatz um einige Meter. Kurz bevor die Montage auf Wasser kommt, bremse ich sie mit meinem Zeigefinger am Spulenrand der Stationärrolle ab. So streckt sich das Vorfach vor dem Waggler und alles kommt verwicklungsfrei ins Wasser. Nun lege ich die Rute wieder auf den Rutenständer ab und spanne langsam die Schnur, bis die Entfernungsmarkierung an der Rutenspitze erscheint. Jetzt warte ich kurz, bis sich der Waggler hinstellt und ziehe nun auch die letzten Meter Schnur ein, bis die Markierung auf Position ist. Auf diese Art und Weise treffe ich immer wieder den Punkt, den ich auch angefüttert habe.

Auch heute dauert es wohl ein wenig, bis der Driftbeater das erste mal aus dem Wasser wachsen wird, aber das stört mich nicht weiter, habe ich so doch noch ein wenig Zeit für eine gut tuende heiße Tasse Kaffee, die meine Aufmerksamkeit schärfen soll. Und so verschlafe ich auch heute nicht den  ersten Biß des Tages: Ohne Vorwarnung steigt die Pose aus dem Wasser – der typische Hebebiß eines Brassen! In einer fließenden Bewegung ergreife ich meine Rute und schlage gleichmäßig zur Seite weg an, und nicht nach oben hin! Der seitliche Anschlag ist aus dem Grunde von Bedeutung, weil wir so den Wasserwiderstand für uns nützlich machen können, wir bekommen so in einem Zuge Kontakt mit dem Fisch.

Diesem ersten Brassen folgen in den nächsten Stunden noch einige weitere schöne Fische. Es ist auch heute wieder ein schöner und erholsamer Angeltag geworden und beim Einpacken frage ich mich wieder einmal, weshalb diese schöne Methode mit dem Driftbeater und der Matchrute nicht öfters auch von anderen Anglern praktiziert wird...

 

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