Frühjahrsdöbel

Die ersten von Sonnenstrahlen durchfluteten Vorfrühlingstage sind wohl für jeden Menschen, sei er nun Angler oder auch nicht, ein wahrer Balsam auf die von den Winterdepressionen geschundenen Seele. Aber anglerisch gesehen haben es diese Tage in sich: Der mit dem schönen Wetter einher gehende hohe Luftdruck verursacht nicht nur sonnige Tage sondern auch sternklare Nächte, in denen das Quecksilber die 0° Marke nicht selten weit hinter sich läßt. Weiterhin haben Hochdruckgebiete es so an sich, daß der Wind sich in ihnen im Uhrzeigersinn dreht, in unseren Breiten also aus dem Osten kommt und somit meistens so zeitig im Jahr noch recht kühl und frisch ist. Demzufolge sind extreme Temperaturschwankungen in diesen Tagen eher die Regel als denn die Ausnahme. Und genau diese Schwankungen verderben nur allzu oft unseren Brotfischen, den Brassen und Rotaugen, den Appetit. Was also tun, wenn wir Stipper aber dennoch das schöne Wetter am Wasser fischend genießen wollen? Ganz einfach! Als erstes suchen wir uns einen Zielfischart, der diese Temperaturschwankungen nicht so sehr auf den Magen schlagen. Döbel und Hasel wären zum Beispiel zwei solche geschuppten Zeitgenossen, die auch unter diesen widrigen Umständen noch Nahrung aufnehmen. Beide Fischarten suchen im zeitigen Frühjahr bevorzugt flachere, von Sonne schon durchflutete Flußabschnitte auf. Tiefen von weniger als 1,5 m sind ab den Mittagsstunden immer erfolgversprechend, vor allem, wenn sich stromab von unserem Angelplatz ein tieferer Flußabschnitt anschließt, den die Fische während der Nachtstunden aufsuchen können. Da ich heute vorhabe, den Dickköpfen mit der unberingten Kopfrute auf die Schuppen zu rücken, suche ich mir einen Angelplatz aus, der in guter Deckung unter einer ganzen Reihe von Erlen liegt. So wird der verräterische Schatten, den ich und meine Stippe zwangsläufig werfen, ein wenig verschluckt.

Nun zu dem Gerät: Weniger wegen den Haseln als viel mehr wegen der z.T. kapitalen Döbel, die ich erwarte, wähle ich zwei recht robuste Stippen aus meinem Futteral – genau genommen eine 9,5 m Maver H17 und eine 9,5 m Garbolino Knock-Out. Beide Ruten fische ich aber mit nur 7 m Länge. Bei den Montagen ist lediglich die Länge der Schnur identisch, nämlich in beiden Fällen 6,5 m 0,12er Smart-Line von Maver. Die eigentlichen Montagen selbst könnten unterschiedlicher nicht sein: An der Knock-Out habe ich durch die ersten drei Teile, die teleskopisch sind, ein Elastik von 2 mm Stärke gefädelt, was nur ganz eben auf Spannung steht. Als Pose montiere ich eine Muster mit einem Körper in der Form einer Birne und einer Tragkraft von 1 g. Bebleit habe ich diese Montage mit einem Bulk aus 5 N°4 Schroten gut 40 cm vor dem Haken und 3 N°6 Schroten, die zwischen Haken  und Bulk gleichmäßig verteilt sind. Mit dieser Montage werde ich stark verzögert meine Drift abfischen. Für die H17 habe ich mich für folgendes Rig entschieden: Durch die ersten zwei Teile der Rute kommt ein Elastik von 1,5 mm, welches ebenfalls nur so eben auf Spannung steht. Als Bißanzeiger dient mir ein kleiner Waggler, genau gesagt ein Grey von Drennan mit 4 N°4 Tragkraft. Bei dieser Montage sitzt die Bebleiung kompakt um den Waggler und dient auch gleichzeitig zur Tiefenjustierung. Lediglich zwei N°11 Schrote bringen den Hakenköder auf Tiefe. Diese habe ich übrigens so eingestellt, daß ich um eine Vorfachlänge, also gut 30 cm, überspannt fische. Der Hakenköder schleift also samt Vorfach über den Grund, so er ihn den überhaupt erreicht ohne nicht vorher schon von einem Schuppenträger geschnappt worden zu sein. Mit diesem Rig will ich die Fische fangen, die im Laufe der Sitzung den lose eingeworfenen Kostproben entgegen gestiegen sind. Dieses Rig fängt nicht immer, aber wenn die Fische von der Sonne im Laufe der Sitzung doch so richtig aufgetaut werden, kann es tödlich sein mit ihm zu fischen. Man könnte auch sagen, es ist mein Trumpf, das ich mir nicht in den Ärmel sondern auf meine Rutenablage lege.

Nachdem das Gerät und mein Angelplatz hergerichtet sind brauche ich nur noch das Futter anzufeuchten und die Köder in Reichweite stellen. Als Futter verwende ich heute eine Fertigmischung, die unter dem Namen „Schwarzer Peter“ von zwei guten Bekannten, dem Königsteam von der Maas Zammataro/Krawzyk, an den Fachhandel vertrieben wird. Dieser Mischung habe ich als Verfeinerung lediglich noch ½ l aufgekochten Hanf beigemengt, mehr ist nicht nötig! Als Köder habe ich heute in meiner Box neben den obligatorischen Maden noch 1 l frischen Caster wie er im Bilderbuch steht und je 1 l gequollener Hanf und Weizen. Als Bonus und Trumpfas stehen auch noch Dosenmais und quirlige Mistwürmer in der großen Köderbox – bei dieser reichhaltigen Auswahl sollte denn dann doch was für die Leckermäuler mit dabei sein, ich werde es sehen!

Jetzt, da alle Vorbereitungen getroffen sind, kann es denn nun losgehen. Ich nehme Platz auf meinem „Thron“ und beginne mit dem Ausloten: Gut 1 m Wassertiefe – ideal! Aber ich sitze ja auch nicht zum ersten Mal auf diesem Platz. Ich nehme die Knock-Out mit dem Bulk-Rig, spanne die Pose um 10 cm tiefer als die gelotete Wassertiefe und versehe den 18er Haken, einen 1310N von Gamakatsu, mit einer großen Made und einer Pinkie. Mit einem leichten Unterarmschwung befördere ich die Montage ins Wasser und lasse sie erst einmal ohne Grundfutter und nur mit einigen freien Maden zusammen durch meine Drift treiben. Auf diese Art und Weise schaue ich immer erst einmal, ob ich Standfisch vor mit liegen habe. Nach gut ¼ Stunde und 6 Driften bin ich mir sicher, daß dies wohl nicht der Fall ist und greife in meinen Futtereimer. Eine Priese von dem herrlichen Duft, der mir aus dem Eimer entgegen kommt, gibt mir die Zuversicht und das Selbstvertrauen, daß ich heute noch erfolgreich sein werde...  aber bevor ich das Futter einwerfe gebe ich noch zwei Hände voll lebendiger Pinkies hinzu. Nun lege ich die Rute in die Ständer meines Plateaus ab und befördere per Hand drei gut Tennisball große fest gedrückte Futterballen genau unter die Spitze meiner Rute. Ein vierter, aber nur leicht gepreßter Ballen folgt noch genauso wie jeweils eine Hand voll aus jeder Köderdose – mein Grundstock für den Erfolg!

Die Rute lasse ich erst noch mal in dem Ständer liegen, denn jetzt ist der Moment gekommen, um zu der Thermosflasche zu greifen und mir einen guten heißen irischen Tee zu gönnen. Und was soll ich sagen!? Kaum daß ich den ersten Schluck genommen habe, signalisiert mir ein leichtes Zittern der Pose, daß sich auch unten was tut. Ich habe gerade noch die Zeit, den dampfenden Becher abzustellen, bis das die Pose entschlossenen auf Tauchstation geht. Ein knapper Anschlag aus dem Handgelenk hakt dann auch den ersten Fisch des Tages: Einen schönen Hasel von 100 g! Diesem Fisch folgt noch eine ganze Reihe weiterer bis nach gut 1 ½ Stunden mein Anschlag auf einen zaghaften Biß mit einer explosionsartigen Flucht quittiert wird: Der erste Döbel hat gebissen! Erst nach einem harten Drill, bei dem ich mich wieder einmal über die Belastbarkeit des feinen Materials wundere, gibt sich der Dickkopf geschlagen und ich kann den matt gekämpften Fisch, der nur noch mit leichtem Schütteln seines massigen Kopfes sich dem Fang widersetzt, zum Kescher führen. Als ich ihn zum abhaken aus dem Kescher nehme schätze ich sein Gewicht auf gut 3 ½ pf. – ein schöner Fisch mit einem makellosen Schuppenkleid!

Am Ende dieses Angelnachmittages habe ich acht dieser schönen Fische auf wohl jeden Köder meiner Auswahl fangen können wobei der größte die 4 pf.-Marke ganz locker hinter sich gelassen hat. Abschließend kann ich sagen, daß ich wieder einmal ein paar herrliche und mit nichts zu bezahlende Stunden am Wasser verbringen durfte. Und nicht nur das, ich habe nach dem Einpacken in meinem Eimer auch noch 5 große Haseln liegen, die ich mir heute abend noch schmecken lassen werde. Auf welche Art zubereitet!? Das erfahrt Ihr in der Fischküche...

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