Forellen nach florentiener Art

Nein, nein! An dieser Stelle werde ich Euch jetzt nicht ein neues Kochrezept für Forellen vorstellen, daß werdet Ihr an anderer Stelle finde. Nein, ich möchte Euch vielmehr eine Art der Angelei mit der Match-Rute vorstellen, die bei unseren britischen Kollegen zu dem Grundrepertoire eines jeden Anglers gehört. Mit dieser Methode wurde die englische Mannschaft übrigens 1985 zum ersten Mal Weltmeister nach etlichen Vizetiteln in den Vorjahren. Damals ging es an dem Arno in Florenz auf Döbel und Karauschen, wir werden heute an einem Forellensee, an dem das Füttern erlaubt ist, auf Rotaugen und die besagten Forellen fischen.

Ich bin mir sicher, daß spätestens an dieser Stelle schon wohl viele von Euch am grübeln sein werden, was mich den dazu bewegt, gerade an einem „Forellenp...“ meine Match auszuwerfen. Aber das hat seinen Grund, denn diese Gewässer haben oft einen nahezu unbefischen Rotaugenbestand. Und diese Fische haben es in sich, im wahrstem Sinne des Wortes! Denn die meisten Angler an diesen Seen füttern mit Forellen-Aufzuchtfutter, und das mögen nicht nur die Forellen, auch die Rotaugen und alle anderen Fischarten tun sich gütlich an den oft erheblichen Mengen Forellie, die so im Laufe einer Woche in das Wasser wandern. Kurzum, wir haben es hier mit wahren Mast-Rotaugen zu tun, nicht selten mit Stückgewichten von über 500 g – Stipper-Herz, was willst du mehr?!?

Also, los geht es! Was wird an Gerät benötigt? Nun zunächst einmal eine nicht zu leichte Matchrute, nach Möglichkeit eine Rute nach alter Bauart ohne eingesplieste Vollkohlefaserspitze. Mit diesen Ruten brauchen wir nicht ganz so vorsichtig umzugehen wie mit den Nadelspitzenmodellen. Ich verwende heute eine 12‘ Eigenbaurute, an der ich eine mittlere Stationärrolle mit einer 15er sinkenden Schnur anbringe. Als Bißanzeiger montiere ich einen Insert-Crystal-Waggler mit einer Tragkraft von 2½ AAA+. Dieser doch recht kleine Waggler riecht aus, um meinen Köder auf die gewünschte Entfernung von gut 20 m hinaus zu befördern, ist aber noch ausreichend sensibel, um die Rotaugen nicht doch noch Verdacht schöpfen zu lassen. Denn auch wenn die Fische hier an diesem Gewässertyp nicht gezielt befischt werden, können sie von Zeit zu Zeit doch recht heikel auf  zu grobes Gerät reagieren. An das 10er bis 12er Vorfach befestige ich einen 18er oder 20er Haken. Mein persönlicher Favorit für diese Angelei ist der B520 Whisker Barb von Kamasan, ein wirklich unverwüstliches Hakenmuster. Er ist recht klein und leicht, so daß der Hakenköder natürlich zusammen mit den eingeschossenen Anfütterungsmaden absinken kann. Aber er ist auch stabil genug, um eine kämpferische Regenbognerin sicher ausdrillen zu können. Die Engländer benutzten diese Hakenmuster übrigens auch bei besagtem ersten Titelgewinn...

Die Angeltiefe stell ich zu Beginn auf gut 1,75 m ein, auch wenn das Wasser an meinem Angelplatz unter Umständen wesentlich tiefer sein kann. Da unser Hakenköder genauso langsam absinke soll wie unsere lose eingeschossenen Anfütterungsmaden kommen auf die ganze Tiefe verteilt höchstens zwei kleine Sinkbleie, maximal in der Größe N° 8.

Nachdem ich mein Gerät montiert habe, richte ich noch meinen Angelplatz her. Ein Ködertisch, auf dem ich Maden und Caster sowie meine Madenschleuder sauber ablegen kann gehört ebenso zur Grundausstattung wie eine stabile Rutenablage. Schnell rühre ich noch ein wenig Futter an, um die „Augen“ schneller an meinen Platz zu locken. Verwendung findet jedes leichtere Futter was ich zusätzlich zur Förderung der Wolkenbildung nur leicht anfeuchte. Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn sich Bälle zum werfen formen lassen, die beim Aufprall auf dem Wasser sofort auseinanderfallen, halt eine Wolke bilden. Eine gute Mischung, die für einen ansehnlichen Fang an unserem Forellensee immer gut ist wäre folgende:

 1  l grobes Paniermehl
 ½ l Polenta
 ½ l Hanf, gemahlen
 ¼ l Forellie, gemahlen
 ¼ l Kokosmehl

Nun kann es an und für sich eigentlich losgehen. Ich werfe meine Waggler-Montage über den Angelplatz hinaus ein. Kurz vor dem Auftreffen bremse ich die Schnur am Spulenrand mit dem Zeigefinger noch ab, um die Montage zu strecken. So kann ich effektiv eine Verwicklung verhindern. Unmittelbar nachdem sich der Waggler aufgerichtet hat tauche ich die Rutenspitze unter Wasser und versenke mit einigen schnellen Kurbelumdrehungen die Schnur zwischen Waggler und Rutenspitze und entziehe sie so dem Einfluß von Wind und Oberflächenströmung. Durch einen Probeschuß mit der Madenschleuder ermittle ich die maximale Angelentfernung und hole meine Montage so weit zurück, bis der Waggler genau in der Mitte des Futterplatzes liegt. Hier noch ein Tip am Rande, bedenkt immer, wenn Ihr morgens mit dem Fischen beginnt, daß der Wind im Laufe eines Tages meistens noch auflebt und Ihr die Maden dann nicht mehr bis auf den ursprünglichen Futterplatz bekommt. Also, lieber etwas kürzer füttern! Nach einem weiteren Probeschuß habe ich nun die ideale Angelentfernung ermittelt und die Antenne meines Wagglers dient jetzt als Marker für mein festes Futter.

Ab jetzt wird es ernst! Mit jedem neuen Einwurf schieße ich ein paar Maden und Caster auf den Futterplatz und normal dauert es auch nicht allzu lange, bis sich die ersten geschuppten Interessenten für unser Lockangebot einfinden. Wenn ein Schwarm Rotaugen sich so richtig in den „Rausch gefressen“ hat, kann diese Angelei schon mal in Arbeit ausarten, die aber immer mal wider durch einen oft spektakulären Drill einer Regenbogenforelle unterbrochen wird. Gerade, wenn wir uns so richtig an die gleichmäßig beißenden Rotaugen gewöhnt haben, passiert es: Eine Forelle hat sich in den Schwarm eingeschlichen und unseren Köder genommen. Direkt nach dem Anschlag schon springen die Forellen oft wie wild durch die Luft und halten uns in Atem. Diese Kampfkraft und das einfache Gerät verlangen dann von uns unser ganzes Können!

Ganz ohne Zweifel, diese Angelart an diesem Gewässertyp ist sehr kurzweilig und interessant und nebenbei bekommt Ihr noch eine leckere Mahlzeit, die für uns Stipper alles andere als alltäglich ist, gratis dazu, die Forellen! Ein gutes Rezept findet Ihr übrigens hier in der „Fischküche“, schaut einfach mal rein!

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