Das kleine und große Futtereinmaleins 4

Wie versprochen geht es jetzt weiter mit dem kleinen Futtereinmaleins. Nachdem wir den letzten Teil mit den bindenden Futterzusätzen beendet haben, möchte ich nun mit der nicht gerade kurzen Liste der arbeitenden Zutaten fortfahren:

· Gemahlenen Hanfkörner sind nicht nur für mich sondern auch für viele andere Angler ein Klassiker und zumindest aus wohl keiner Rotaugenmischung mehr wegzudenken. Frisch gemahlener Hanf löst durch seinen hohen Ölanteil beinah jeden Mix auf. Aber nicht nur seine arbeitenden Qualitäten sind für uns Stipper von Nutzen, es ist vielmehr seine Anziehungskraft auf die Fische, insbesondere auf Rotaugen, die ihn für uns so interessant machen. Weiterhin läßt er sich auf die unterschiedlichsten Arten verwenden und in unserem Mix einarbeiten, aber dazu später noch mehr – Anteil im Futter bis zu 25 %.
· Gemahlener und gerösteter Hanf ist von seinem Verwendungsmöglichkeiten nahezu identisch. Lediglich sein Geruch ist anders und gerade darauf schwören viele Rotaugenspezialisten – Anteil je Mix ebenfalls bis zu 25 %.
· Getrockneter Taubenmist galt lange Zeit als absoluter Geheimtip in der Stipperszene. Aber mittlerweile ist er bei vielen Stippern sehr beliebt, auch wenn seine Präparierung zum Fischen schon ein wenig gewöhnungsbedürftig ist und auch mal Ärger mit der besseren Hälfte hervorrufen kann. Aber diesen Ärger sollte man ruhig mal in Kauf nehmen, wenn wir es auf Rotaugen abgesehen haben, denn neben Hanf gibt es wohl keine andere Zutat, die auf „Augen“ eine solche schon fast magische Anziehungskraft ausübt – Anteil je Mix im Normalfall bis zu 20 %, „Mistfetischisten“ gehen aber auch schon mal hoch bis auf 40 %.
· Gemahlene Unkrautsamen wären eine weitere Zutat in der Liste der arbeitenden Futtermehle für Rotaugen. In Kombination mit Taubenmist ist Unkrautsamen schon fast tödlich, wenn es in kleinen Kanälen auf die gerade in diesen Gewässertyp oft überempfindlichen Rotaugen geht. Verarbeitet werden Unkrautsamen immer nach folgendem Muster: Die für unseren Mix benötigte Menge mahlen wir am Abend vor unserem Angeln ganz frisch. Nach dem mahlen wird das ganze mit der doppelten Menge an kochendem Wasser überbrüht. Diesen Brei lassen wir über Nacht ziehen und vermengen ihn morgens dann gleichmäßig mit den restlichen Zutaten unserer Mischung – Anteil im Mix bis zu 15 %.
· Nußmehl wird ebenfalls gerne von Rotaugenspezialisten gebraucht. Allerdings muß man bei der Dosierung ein wenig aufpassen, da es vom Geschmack her sehr herb und bitter ist – Anteil im Futter bis max. 10 %.
· Kokosmehl ist nicht so bitter wie Nußmehl und arbeitet im Futter noch ein wenig besser. Anger nicht nur das, es hat weiterhin die positive Eigenschaft, da man dank seiner bräunlichen Farbe die Mischung entsprechend nach Wunsch abdunkeln kann. Es ist somit eine ideale Zutat für ein Rotaugen- als auch ein Brassenfutter vom Typ IV – Anteil im Mix bis zu 15 %.
· Chapelure ist eine Biskuitmehlsorte, die sich in einem Punkt ganz wesentlich von den zuvor im Teil 3 beschriebenen Sorten unterscheidet: Sie bindet praktisch überhaupt nicht ab. Weiterhin ist sie bei weitem nicht so süß wie z.B. Tortenbodenbiskuit. Nichts desto trotz ist sie eine Zutat, die in keiner „Hexenküche“ fehlen sollte – Anteil in der Mischung bis zu 15 %.
· Eierkuchenbiskuit ist neben Chapelure eine weitere Zutat, die sich zum abmischen eines leichten und flockigen Futters anbietet. Gerade in einem Feedermix für Brassen verwende ich immer wieder gerne Eierkuchenbiskuit, da ich glaube, daß es die Brassen nahezu magisch anzieht, wenn die kleinen gelben Teilchen sich am Grund unserer Futterspur ausbreiten... – Anteil im Mix bis zu 10 %.
· Kokosraspeln gehören auch zu diesen Zutaten, die einem Feedermix das gewisse Etwas geben können. Aber aufgepaßt: Ihr solltet sie nur in sehr kleinen Mengen und das auch nur in stehenden Gewässern in Eurem Mix einarbeiten, da sie sehr leicht sind und im Wasser schweben. Strömung würde sie nur von unserem Futterplatz abtreiben und mit ihnen die Fische – Anteil bis zu 5 % der Mischung.
· Vogelaufzuchtfutter kann dahingegen schon wieder in höheren Anteilen verwendet werden. Ich kenne einige Feederfischer, die sogar mit nichts anderem als einer Tüte Aufzuchtfutter ans Wasser gehen. Weiterhin finden wir im Zoobedarf ein sehr reichhaltiges Angebot was uns geradezu zum experimentieren einlädt. Wer sich aber nicht erst lange durch das Angebot fischen will, dem kann ich die Sorten von CeDe empfehlen, ich habe fast immer eine Töte für alle Fälle in der Tasche – Anteil je Mix wie gesagt bis zu 100 %.
· Kürbiskernmehl ist eine weitere sehr aromatische Zutat, die unser Futter auflockert und gerade auf große Fische eine magische Anziehungskraft ausübt – Anteil am Gesamtmix bis zu 15 %.
· Sojamehl ist eine Zutat, die die meisten wohl eher für die Boilieherstellung gebrauchen würden als denn zum Verfeinern eines Stippfutters. Aber es eignet sich sehr wohl für unsere Zwecke, denn große Fische wie Brassen, Schleien oder Karpfen lieben seinen Geschmack – Anteil im Futter bis zu 15 %.
· Mineralsalz ist noch eine Futterzutat, die völlig zu Unrecht selten verwendet wird. Es sind nur weniger Rotaugenangler, die um die Vorliebe ihrer „Augen“ für salziges Futter wissen. Insbesondere im Herbst bei fallenden Wassertemperaturen kann eine Priese Salz nicht nur in der Suppe sondern auch in unserem Futter wahre Wunder bewirken – Anteil bis zu 10 %.
· Maulwurfserde wird benötigt, wenn wir ein Futter vom Typ IV haben wollen, schwer und nur mäßig bindend. Wie wir uns diese Zutat besorgen brauche ich ja wohl nicht näher erläutern, oder!? Auf einer Rasenfläche den einen oder anderen Hügel ab kratzen, trocken und sieben, fertig... – der Anteil in der Mischung richtet sich nach der gewünschten Konsistenz unseres Futters.
· Gelber Sand dient genau wie die Maulwurfserde nur als Beschwerung für unser Futter und wird genauso verwendet und verarbeitet.
· Reismehl ist eine interessante Zutat für ein Oberflächenfutter bei der Angelei auf Ukeleis da es eine Wolkenbildung sehr gut unterstützt und die kleinen Silberlinge seinen Geschmack allem Anschein nach auch noch mögen – Bis zu 20 %.
· Milchpulver erfüllt den selben Zweck, nur das seine Wolkenbildung noch extremer ist. Oft kann es von Vorteil sein, das weiße Milchpulver noch mit Lebensmittelfarbe einzufärben, dies gilt insbesondere dann, wenn es in dem Gewässer auch einen sehr guten Raubfischbestand gibt, denn diese neugierigen Zeitgenossen untersuchen nur allzu gerne so eine auffällige weiße Wolke – den Anteil müssen wir an passen, je nach gewünschter Wolkenbildung aber bis zu 40 %.
· Weizenkleie läßt sich praktisch gar nicht zu einem Futterballen verarbeiten,  somit sollte man mit der Dosierung auch lieber etwas sparsam sein, vor allem wenn man berücksichtigt, wie „gut“ Weizenkleie im Wasser auftreibt, wenn sie nicht vernünftig durchgefeuchtet worden ist ... mir fällt da so ganz spontan ein Vereinsangeln ein, da saß hundert Meter stromauf jemand, der hatte die Kleie wohl so ins Wasser geworfen, sehr erfolgsfördernd ... Anteil bis zu 15 %.

So, das waren sie, die Zutaten mit denen im Grunde genommen ein jeder ein gutes und vor allem für sein Hauswasser fängiges Futter herstellen kann. Ich kann wirklich jeden nur dazu ermutigen, es doch einmal selbst zu probieren, es macht einen riesigen Spaß zu experimentieren und zu probieren, und wenn sich der Erfolg einstellte, und er wird sich einstellen, dann darf man auch ein wenig mehr stolz sein auf ihn!

In der nächsten Folge dieser Serie werde ich dann noch ein wenig auf die verschiedenen Tricks und Kniffe beim Anrühren unseres Futters eingehen. Fürs erste wünsche ich Euch schon mal viel Spaß bei den ersten Übungen im „kleinen und großen Futtereinmaleins“...

 

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