Das kleine und große Futtereinmaleins 3

Und weiter geht’s, endlich, nach viel zu langer Pause, mit unserem kleinen Futtereinmaleins. Gegenstand dieses Berichts sind die einzelnen Futtermehlsorten mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten. Um es aber gleich vorweg zu nehmen, diese Auflistung erhebt alles andere als Anspruch auf Vollständigkeit, da ich lediglich die Futtersorten hier aufnehmen wollte, die ich kenne und selber auch verwende. Auch kann es sein, daß von Region zu Region die Bezeichnungen für ein und die selbe Sorte variieren können, aber bei Ungereimtheiten will ich diese gerne per eMail klären.

Also, auf geht es mit den

Basismehlen:

· Paniermehl ist wohl das ursprünglichste Lockmittel schlechthin – und das zu Recht, denn es übt auf fast alle Fischarten eine magische Anziehungskraft aus. Viele Autoren unterteilen Paniermehl noch in einige Untersorten, die dann aber viele Händler nicht in ihrem Sortiment führen und wenn doch, dann zu recht „günstigen“ Preisen. Das, was ich so als Paniermehl bei den meisten Händlern in den Regalen gesehen habe war in aller Regel eine gemahlene Mischung aus all dem, was beim Bäcker so übrig bleibt. Verwenden kann man Paniermehl in nahezu jeder Mischung in einem Anteil von bis zu 60 %.
· Brotmehl hell besteht, wie der Name es schon verrät, aus gemahlenen Weißbrotresten und ist Paniermehl sehr ähnlich, hat in der Regel aber oft einen ganz leicht salzigen Geschmack. Durch diesen Geschmack und seine etwas geringere Bindekraft im Vergleich zu Paniermehl ist es die ideale Basis für ein Rotaugenfutter – Mischungsanteil auch hier bis zu 60 %.
· Brotmehl dunkel besteht aus gemahlenen Graubrotresten und hat im Verglich zu hellem Brotmehl eine noch geringere Bindekraft – Anteil in der Mischung je nach gewünschte Konsistenz des Futters bis zu 50 %.
· Zwiebackmehl wird, wie der Name schon sagt aus Zwiebackresten hergestellt und hat, wenn es nicht gestreckt wurde, einen wunderbaren Eigengeschmack, der im Gegensatz zum Brotmehl ins süßliche geht. Aufgrund seiner recht guten Klebekraft und des doch geringen Gewichtes ist es die ideale Basis für ein Brassenfutter vom Typ II und kann bis zu einem Anteil von 50 % problemlos verwendet werden.
· Tortenbodenbiskuit ist eine weitere vorzügliche Grundsubstanz für jedes Brassenfutter. Je nach dem Feinheitsgrad, mit dem es gemahlen wurde, kann man es für alle Futtertypen verwenden. Als grobe Richtschnur kann man sagen, daß je feiner der Biskuit gemahlen wurde er um so stärker bindet. Der Anteil am Gesamtmix richtet sich also nach dem von uns gewünschten Effekt, kann aber ohne weiteres bis zu 50 % betragen.
· Waffelbiskuit hat nahezu die gleichen Eigenschaften wie Tortenbodenbiskuit, ist allerdings insgesamt ein wenig leichter und vom Geschmack her mehr vanilliger. Diese beiden Futtermehle bieten sich geradezu an, um durch gezieltes Mischen dem jeweilig benötigten Futtertyp zu erhalten. Aber der Gesamtanteil sollte 50 % der Mischung nicht übersteigen.
· Schokobiskuit ist eine Sonderform unter den Biskuitmehlsorten. Da hier  Schokoladengebäck mit verarbeitet wird, ist es im ganzen ein wenig dunkler als die beiden zuvor genannten Sorten. Auch hat es eine nicht ganz so große Klebekraft und ist vom Geschmack her eher ein wenig herber. Nichts desto trotz bietet sich auch Schokobiskuit zum mischen mit den anderen Biskuitmehlen an. Insbesondere dann, wenn die „Klodeckel“ gerne mal wieder nach ein wenig Abwechslung verlangen – bis zu 30 % der Mischung.
· Maismehl, süß ist ein weitere interessante Basiszutat für ein gutes Brassenfutter. Hergestellt wird es aus geschrotetem, gemahlenem und geröstetem Mais und so duftet es auch: herrlich würzig süß. Seine Klebekraft ist eher gering, wodurch es sich besonders für ein Futter vom Typ IV empfiehlt – Anteil an der Mischung bis zu 25 %.
· Maismehl, gelb ist praktisch das selbe, nur nicht geröstet und zudem noch etwas feiner gemahlen. Auch gelbes Maismehl bindet nicht sehr gut ab und ist vom Geschmack her auch nicht ganz so süß wie das geröstete Maismehl. Weiterhin ist es auch noch etwas leichter, also eine gute Zutat für ein Futter vom Typ I – bis zu 25 % je Mix.
· Polenta ist eine weitere Grundsubstanz für unser Futter, die aus Mais gewonnen und in grob und fein im Handel zu haben ist. Maisgrieß, wie man Polenta auch nennt, ist das geschrotete Produkt aus der Schale des Maiskorns und demzufolge im Verhältnis zu seinem Volumen ein recht schwere Futterzutat. Seine Bindekraft ist praktisch gleich null, gerade, wenn man die grob geschrotete Variante wählt. kurzum, eine idealer Bestandteil für ein Futter vom Typ IV – Anteil im Futter bis zu 35 %.

Nach den Basiszutaten komme ich nun zu den, wie ich sie gerne nenne, arbeitenden Futterzutaten. Ihr Hauptmerkmal ist die Art und Weise, wie schon kleine Mengen von ihnen die Konsistenz und Attraktivität unserer Futtermischung beeinflussen können. Unterteilen kann man diese Gruppe in zwei Untergruppen, die bindenden und die auflösenden Mehle. Beginnen möchte ich mit den

Bindenden Zutaten:

· TTX-Maiskuchen ist der Binder schlichtweg für jedes schwere Brassenfutter. Neben der hohen Klebekraft besitzt er zusätzlich auch noch einen unbeschreiblich angenehmen süßlichen Geschmack, der die oft süßliche Gesamtnote eines Brassenfutters noch unterstreicht. Da TTX an sich sehr schwer ist, findet es vornehmlich bei einer Fließwassermischung Verwendung. Man kann es aber auch ohne weiteres in kleinen Mengen einem Futter für stehende Gewässer beimengen. Ein Wort noch zur Handhabung von TTX: Einige Stunden vor dem Angeln, am besten schon am Vorabend, wird das TTX mit kochendem Wasser aufgebrüht. Die doppelte Menge Wasser im Verhältnis zum TTX ist optimal. Morgens wird diese „Pampe“, die über Nacht ihr volles Aroma entfalten konnte, unter die restliche Futtermischung gemengt. Je nach Zusammensetzung der Restmischung braucht noch nicht einmal mehr zusätzliches Wasser hinzugefügt werden. Nun das ganze wie gewohnt durch ein grobes Sieb pressen und fertig ist das Futter – Anteil am Gesamtmix bis zu 35 %.
· Copramelasse ist eine weitere gut abbindende Zutat für ein Brassenfutter, die sich durch ihren typischen süßen Geschmack hervorhebt. Ein weiterer nicht zu verachtender Vorteil ist die dunkle Farbe. Mit einem angepaßt hohen Anteil an Copramelasse lassen sich alle auf Biskuitmehl basierenden Mixe vortrefflich abdunkeln – Anteil an der Mischung bis zu 20 %.
· PV1-Collant ist getrocknete Melassegrütze, also auch sehr süß und gut bindend. Sie wird sehr gerne von belgischen Brassenexperten gefischt – Anteil je Mischung bis zu 20 %.
· Honigkuchen ist, wie uns der Name schon erahnen läßt, eine honigsüße Sache, und der Meinung sind auch die allermeisten Brassen – Anteil bis zu 25 %.
· Haferflocken kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit in der Form des geliebten klebrigen Etwas, das da morgens immer auf den Frühstückstisch kam. Aber genau diese Eigenschaft können wir uns für unser Futter zunutze machen. Verstärken können wir die Klebekraft noch, indem wir die Haferflocken mahlen. Aber auch eine Handvoll ungemahlener Haferflocken wirkt, hinzugefügt kurz vor dem eigentlichen füttern, in nahezu jedem Futter Wunder. Die groben Partikel der Haferflocken treiben auf und erregen so die Aufmerksamkeit von umher ziehenden Fischen – Anteil im Futter bis zu 20 %.
· Kartoffelflocken wären eine weitere Möglichkeit, das Futter abzubinden. Gerade Karpfen und große Brassen stehen auf den typischen Geschmack von Kartoffelflocken, allerdings sollte man mit dieser Zutat eher sparsam umgehen – Anteil der Futtermischung max. bis zu 10 %.
· Zucker ist ein weithin unterschätztes Hilfsmittel in der Köderküche und wird viel zu selten verwendet. Gerade in den Sommermonaten, wenn beim Brassen- und Karpfenangeln große Mengen der verwendeten Köder im Futter gebunden werden müssen, sollte eine Tüte Zucker nie in der Ködertasche fehlen, gerade, weil die Handhabung so einfach ist: Die Partikel und Köder in eine Futterschüssel geben und den Zucker unterrühren. Unter Umständen noch ein wenig die Mischung befeuchten, am besten mit einem Zerstäuber und fertig ist die Futterbombe. Als grobe Richtschnur kann folgendes Mischungsverhältnis genommen werden: Auf 2 l des verwendeten Naßfutters 1 l Partikel oder Köder geben und mit einem guten ¼ l Zucker vermengen. Muß zusätzlich noch Kies zur Beschwerung mit eingearbeitet werden, einfach die gleiche Menge an Zucker noch dazugeben, für ¼ l Kies noch mal ¼ l Zucker – probiert es einfach mal aus!
· Lehm ist das nächste, wenn nicht sogar das vielseitigste Hilfsmittel zum binden unseres Futters. Aber Lehm ist weit mehr als nur ein Binder, es ist vielmehr aufgrund seines hohen Eigengewichtes gut dazu geeignet, unser Futter schnell zum Grund zu bekommen. Auch übt Lehm an sich schon eine hohe Anziehungskraft auf Fische aus, da er eine sehr nachhaltige Wolke im Wasser bildet, die die Fische magisch zu unserem Futterplatz führt. Gerade bei der Angelei mit Mückenlarven ist Lehm nicht mehr weg zu denken. Die „Mücken“ werden mit dem Lehm trocken gelegt und mit einem hohen Lehmanteil im Futter zum Grund gebracht wo diese Langzeitbomben ganz allmählich die verlockenden Krabbler frei geben. Aufgrund der doch recht vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Lehm ist es sehr, ein %-Angabe für das Futter zu geben. Hier gilt mehr den je, probieren geht über studieren.
· Gemahlenes Forellie ist eine weitere Zutat, die ich an dieser Stelle gerne nennen möchte und von der viele jetzt wohl denken, was sie den wohl in einer Auflistung für Friedfischfutter zu suchen hat. Aber Forellie hat hier als eine Art Geheimtip durchaus seine Berechtigung, denn nur allzu oft wollen unsere Freunde ein wenig Abwechslung auf ihrem Speiseplan und ¼ l Forellie auf 4 l Futter kann schon ausreichen um die Neugierde und den Appetit der Fische zu wecken – Anteil im Futter bis zu 15 %.

Nachdem ich nun mit den bindenden Zutaten fertig bin, möchte ich doch lieber einen kleinen Schnitt machen, denn auch dieser Bericht ist schon wieder weitaus umfangreicher ausgefallen als ursprünglich geplant. Aber ich kann Euch hier und jetzt schon verraten, daß Ihr auf den nächsten Teil nicht so lange warten müßt wie auf diesen, denn er befindet sich schon fertig geschrieben auf meinen Rechner...

 

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