Breadpunch...

von Alexander Rhein

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Als ich mich vor einiger zeit bei meiner winterlichen "Netzstöberei" auf englischen Seiten wiederfand, kam mir ein Begriff vor die Augen mit dem ich erst so gar nichts anfangen konnte! Denn wer denkt bei dem Wort „punch“ schon an unser geliebtes Hobby und vor allem was hatte das Brot mit boxen zu tun? Doch ich wurde neugierig und begann zu lesen und um so weiter ich las, desto interessanter erschien mir diese in Deutschland nahezu unbekannte Methode der Angelei, denn was hierzulande niemand kennt steht bei den "Tomys" recht hoch im Kurs, vor allem wenn es darum geht im Winter an Kanälen mit klink-klarem Wasser zu fischen! Gerade an den Gewässern an denen Zuckmückenlarven verboten sind werden häufig Wettkämpfe mit dieser Methode entschieden! Doch was diese Art der Angelei vor allem für mich (als Schüler...) interessant machte ist die Tatsache, das Brot so ziemlich der günstigste Köder ist, welcher obendrein auch noch in Sekundenschnelle zu besorgen ist! Also laß ich alles was ich zu dem Thema auf den Bildschirm bekommen konnte und fing an zu experimentieren! Zuerst galt es natürlich die benötigten Hilfsmittel zu besorgen! Um nämlich schnell und bequem mit Brot fischen zu können brauchte ich die so genannten „Breadpunches“ (Brotausstecher). Diese waren jedoch in Deutschland schwer zu besorgen, also entschied ich mich, „very british“, in England nach den Dingern zu suchen! Bei ebay wurde ich schließlich fündig und ersteigerte mir zwei Sets  mit jeweils 5 Punches von der Firma Drennan. Alles andere befand sich bereits mehr oder minder in meinem Equipment. Doch genug der Vorgeschichte, weiter zur Vorbereitung:

Bevor es losgehen kann, müssen im voraus einige Schritte unternommen werden. Zu allererst wird nun erst einmal genügend Brot eingekauft, denn dieses wird sowohl als Hakenköder wie auch als Futter benötigt. Nachdem ich mittlerweile alle Toastbrotsorten getestet habe, die es in den Stadtlohner Supermärkten gibt, ist mein Favorit das Sandwich-Toast vom Penny-Markt, da es von allen Toastmarken die dichteste Struktur hat und am klebrigsten ist.

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The Crumb:
Wieder zu Hause angekommen wird nun das Futter, das sogenannte "Punchcrumb", vorbereitet. Dazu wird zuerst die Rinde vom Toast entfernt, denn wir wollen nur das weiße Innere des Toast. Nachdem wir das Brot von der Rinde befreit haben geht es ab in einen großen Eimer zum zerkleinern. Dafür verwende ich einen ausrangierten Pürrierstab. Nach und nach werden 5-6 Scheiben zerkleinert und anschließend durch ein Pinkie-Sieb gerüttelt, der grobe Rest kann noch ein weiteres mal zerkleinert werden. Was bleibt ist eine schneeweiße, gut duftende Futtermaße die an sich schon bereit ist um gefüttert zu werden, doch je nach Gewässer wird die Masse noch leicht nach gefeuchtet, dazu sollte man eine Sprühflasche nehmen und das Futter vorsichtig anfeuchten. Wichtig ist das Futter danach wieder durch das Sieb zu rütteln um alle gröberen Bestandteile zu entfernen. Will man in der Strömung fischen und ist diese auch noch ein wenig stärker, kann man Aquarienkies in das Futter geben damit es schnell zum Grund sinkt. Es lohnt sich auch Hanf und Pinkies mit ins Futter zu geben da der Hanf ein sehr guter Köder ist um die Fische am Platz zu halten und die Pinkies so auch als Ausweichköder verwendet werden können, falls die Bisse auf das Brot nachlassen sollten.

Unser Hakenköder:
Erneut werden die Scheiben vom Rand befreit da dieser dem Brot die Feuchtigkeit entzieht. Nachdem ich 4-6 Scheiben entrindet habe (das Brot trocknet während des Angelns relativ schnell aus) stecke ich die Scheiben für eine halbe Minute in die Mikrowelle damit sie noch etwas mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Sobald die Scheiben wieder abgekühlt sind werden sie einzeln in kleinen Plastikbeuteln verstaut, da sie so frisch bleiben und ihre Feuchtigkeit behalten. Das war‘s auch schon, ab ans Wasser!!!

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Für meine heutige Session habe ich zwei Ruten aufgebaut (meine vier Meter langen Whips), denn da ich heute nicht unbedingt auf eine allzu präzise Köderpräsentation angewiesen, bin werde ich mit den Whips fischen, da ich mit ihnen schneller fischen kann als würde ich mit dem Top-Set verkürzt fischen. An beiden Ruten befindet sich eine eiförmige Pose mit einer Tragkraft von 0,5 Gramm an einer 0,10mm dicken Schnur. Nur die Bebleiungen der beiden Ruten unterscheiden sich etwas, an der einen Rute habe ich circa 50 cm über dem Haken mein Hauptblei in Form von einigen 8er Schroten angebracht, darunter habe ich weitere drei Schrote der Größe 10 gleichmäßig bis 20 cm vor den haken verteilt. Diese Montage sinkt recht langsam und bietet den Köder langsam sinkend an. Die andere Montag ist dagegen deutlich positiver, sie besteht aus der selben Pose, hat jedoch 20 cm über dem Haken einen Olivette mit zwei 10er Schroten direkt darunter. Diese Montag bietet sich besonders im späteren Verlauf des Fischens an, wenn die Fische auf dem Platz stehen und schnell gefangen werden wollen. Die Vorfächer beider Montage sind 15 cm lang und bestehen aus einem 20 haken an 0,08mm dünner schnurr. Wenn es wirklich schnell gehen soll empfiehlt es sich, den Widerhaken des Hakens mit einer Pinzette platt zu biegen.

Ich werde heute mit der ersten Montage ,die mit dem verteilten Blei, beginnen doch vorher wird der Platz noch gleichmäßig ausgelotet. Wichtig ist beim fischen mit Brot, das sich der Haken nicht auf dem Grund befinden darf da es dadurch nahezu unmöglich ist einen Biß zu erkennen da sich der Köder zu schnell vom haken löst sobald in ein Fisch ihn in Augenschein genommen hat. Deswegen stelle ich die beiden Montagen so ein, daß die Antenne der Pose beim loten aus dem Wasser schaut. Die Engländer nennen diese Tiefe „dead Depth“ und sie hat sich beim fischen mit Brot am meisten bewährt.

Nun ist die Tiefe eingestellt und alles ist zur Hand. Meine Futtertasche und meine Köderdose sind, bei mir als Rechtshänder, an der linken Seite meiner Kiepe     angebracht, so muß ich nicht immer die Rute in die andere Hand nehmen, wenn ich den Haken beködern oder füttern will.

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Zu Beginn werfe ich drei taubenei große, leicht gepreßte Bälle ins Wasser. Wundert euch nicht darüber, daß das Brot zuerst etwas schwimmt bevor es langsam untergeht, denn dann habt ihr die Konsistenz genau richtig getroffen. Das Futter wird sich nun in einer verführerischen Wolke den Weg zum Gewässergrund bahnen.

Ich hole eine Scheibe Brot aus den Beuteln und lege diese auf meinen „Baitwaiter“, direkt daneben liegen meine Ausstecher in den verschiedenen Durchmessern um bei nachlassenden Bissen die Größe des Hakenköders variieren zu können. Schnell wird ein ausgestochenes Brotpellet auf den Haken gezogen und mit einem Unterarmschwung ins Wasser gebracht. Die Montage wird so eingesetzt, daß der Köder den Boden am Anfang unserer Futterspur erreicht. Gerade als ich in  meine Hanfdose greife um ein paar der schwarzen Körner zu füttern, geht meine Pose unter, ich schlage an, doch der Fisch hat sich mit samt meinem Brot verabschiedet. Doch der Fehlbiß ermutigt mich nur da ich nun weiß, daß die Fische am Platz sind und der Spaß richtig losgehen kann. Ich beködere den Haken erneut und werfe kurz bevor ich die Montage einsetze ein paar Hanfkörner auf meinen Futterplatz. Sobald der Haken die Nähe des Grundes erreicht hat geht die Pose unter und das erste Rotauge des Tages kommt mir entgegen. Ich habe bereits den Widerhaken plattgedrückt und kann so den Fisch schonend und schnell vom Haken lösen. Sofort wird ein neues Brotpellet auf den Haken geschoben und die Montage erneut ausgebracht. Dabei werden bei jeder Drift einige wenige Hanfkörner  und nach jedem dritten Fisch ein circa Haselnuß großes Bällchen nach gefüttert. Die Fische scheinen heute wirklich „Schmacht“ zu haben, es geht Schlag auf Schlag und ich wechsle nach einigen weiteren Fischen die Montage und fischen nun die etwas „ positivere Montage“ mit der Ollivett, da der Köder dadurch nun schneller zum Fisch gelangt und bei dem hohen Fischaufkommen schneller gefischt werden kann. Nachdem ich zuerst nur die etwas kleineren Rotaugen an den Haken bekommen konnte, scheint nun auch der Hanf zu wirken da sich nun die Größe der Fische leicht steigert. Zwischendurch sind auch einige gute Fische von 200-300 g dabei, die jedoch mit Rücksicht auf das leichte Gerät etwas vorsichtiger gedrillt werden müssen. Fast jede Drift produziert einen Fisch oder zumindest einen Biß, so daß ich nach zweieinhalb Stunden den Futtertod gestorben bin.  Doch das soll für heute reichen, da ich mal wieder einen wunderschönen Tag am Wasser verbracht habe und darüber hinaus auch noch ein paar fische überlisten konnte!

Ich hoffe nun, daß Euch mein Artikel neugierig gemacht hat und das Ihr Euch in Zukunft auch mal an diese sehr erfolgreiche und vor allem günstige Methode heranwagt. Mir hat es auf jeden Fall mal wieder Spaß gemacht, und es wird nicht das letzte mal gewesen sein ;-)

Regards alex (aka roachcatcher)

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